Umweltleistungen der Landwirte in Rhön-Grabfeld
Ackern für die Gesellschaft

Die Arbeit der Ökomodellregion Rhön-Grabfeld und des AELF Bad Neustadt a.d.Saale trägt reichlich Früchte.

Frühjahr in Rhön-Grabfeld. Die Menschen im Landkreis genießen die Natur vor der Haustüre mit allen Sinnen. Ob mit dem Rad oder zu Fuß. Saftige Wiesen, gelbe Rapsblüten, blühende Getreidefelder und erste Reihen von Mais- und Ackerbohnen, dazu Vogelgezwitscher.

Gestalter der vielfältigen Kulturlandschaft sind die Landwirte der Region. Sie erzeugen nicht nur Nahrungsmittel und Energie, sondern erbringen z.B. mit der Teilnahme am Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) Umweltleistungen für die Gesellschaft. Denn eine intakte und lebenswerte Landschaft, der Schutz von Artenvielfalt, Boden, Luft und Wasser dient den Landwirten und der gesamten Bevölkerung. Neben den vorgeschriebenen Maßnahmen, bietet das Kulturlandschaftsprogramm des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einen Katalog an geförderten Umweltleistungen an, die die Landwirte freiwillig umsetzten können.

Umsetzung der rechtlichen Vorgaben

In den Monaten März bis Mai heißt es deshalb für Landwirte in Rhön-Grabfeld "schwitzen" im Büro: Sie arbeiten rechtliche Vorgaben durch und bereiten Förderanträge vor, um diese fristgerecht Mitte Mai an den Ämtern für Ernährung Landwirtschaft und Forsten einreichen zu können. Diese öffentlichen Gelder bieten einen Anreiz, um über die vorgeschriebenen Maßnahmen hinaus umweltschonend zu wirtschaften. Vor allem sind die Prämien wichtig, um höhere Bewirtschaftungskosten und entgangenes Einkommen durch geringere Erträge auszugleichen.
Und die Landwirte in Rhön-Grabfeld waren fleißig in 2021: Nach Angaben des AELF Bad Neustadt sorgt jeder zweite Betrieb mit Blühflächen und Wildsaaten für Nahrung und Lebensraum für Insekten. Gleichzeitig bieten diese mehrjährigen Ansaaten dem Wild Äsung und Deckung im Herbst und Winter. Ein Viertel der Bauern hat sich freiwillig dem Erhalt von Streuobstbäumen verpflichtet, um Vögeln und Insekten Nahrungsquelle und Kinderstube zu bieten.
Auf den Äckern sorgt jeder zehnte Landwirt gezielt für mehr "Kultur"-vielfalt. Vielfältige Furchtfolgen mit mindestens fünf Hauptfruchtarten, blühenden Kulturen, Leguminosen wie Ackerbohnen oder alten Getreidesorten wie Emmer und Buchweizen, beleben die Landschaft und den Boden.
Über 100 Betriebe setzten auf Grünlandflächen keinen Mineraldünger und chemischen Pflanzenschutz ein und mähen ihre Wiesen später und weniger häufig. Durch diese extensive Bewirtschaftung schaffen sie artenreichere Bestände und bieten Insekten zusätzliche Nahrungsquellen.

Öko-Landbau im Landkreis

Besonders erfreulich, da sind sich Oliver Kröner, Behördenleiter des AELF Bad Neustadt und Dr. Maike Hamacher, Projektmanagerin der Öko-Modellregion einig, sei der Anteil an Öko-Landbau im Landkreis. Basierend auf dem Kreislaufgedanken steht der Ökolandbau für eine besonders ressourcenschonende und umweltfreundliche Form der Landnutzung. Unter anderem durch den Verzicht auf mineralische Stickstoffdünger und chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel im gesamten Betrieb leistet die ökologische Bewirtschaftung einen Beitrag zum Schutz von Klima, Gewässern und Artenvielfalt. Die Erbringung von gesellschaftlichen Umweltleistungen und die Produktion von hochwertigen gesunden Lebensmitteln sind im ökologischen Landbau von Beginn an miteinander verbunden.
Für 2021 hat sich knapp ein Sechstel der Betriebe dem ökologischen Landbau verpflichtet. Im Vergleich zu 2010 verdoppelte sich damit die Anzahl der Biobetriebe im Landkreis. Und auch die ökologisch bewirtschaftete Fläche stieg in den letzten Jahren kontinuierlich auf rund 19%. Das ist sogar eine Verdreifachung gegenüber 2010! Damit hat der Landkreis die bayernweite Zielvorgabe Verdoppelung der Ökoproduktion mehr als erreicht. "Dies ist sicher ein Verdienst der guten Zusammenarbeit der Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld mit dem AELF Neustadt", so Kröner.

Öko-Modellregionen - Baustein des Landesprogramm "BioRegio Bayern 2020"

Die bayerischen Öko-Modellregionen sind ein Baustein des Landesprogramm BioRegio Bayern 2020 zur Förderung der Bio-Produktion in der Heimat. So steht die Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld für Ökolandbau als interessante Entwicklungsperspektive für Betriebe, Direktvermarktung als Beitrag zur Nahversorgung, die Entwicklung von Wertschöpfungsketten, die Arbeitsplätze in der Region sichern und schaffen, und den Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis. Vielfältige Projekte, z.B. bioregionale Lebensmittel in Kindergärten und Schulküchen, die Verbrauchermesse BioRegio Rhön oder Fachveranstaltungen für Landwirte tragen dazu bei, die bisherigen Entwicklungen auch weiterhin erfolgreich zu unterstützen - vom Acker bis auf den Teller! "Es geht dabei nicht nur um die reinen Zahlen, sondern vielmehr, um die Wertschätzung unserer intakten und lebendigen Lebensgrundlage – der Natur. Und Wertschätzung den Menschen gegenüber, die mit der Natur wirtschaften, die Landschaft gestalten und Lebensmittel erzeugen," betont die Projektmanagerin.

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